Teil 10: Unsere erste Bergtour – mit Radpannen

Vor uns lag eine Bergtour von 150 km mit 4500 Höhenmetern. Am ersten Tag fuhren wir nur von dem Berg auf dem unser Workaway Hof, wo wir 2 Wochen lang mitgeholfen haben, hinunter an den nächsten Strand ( von San Giovanni a Piro nach Sapri). Dort einen Schlafplatz zu finden stellte sich ein wenig schwieriger heraus als gedacht, da viel vom Strand bebaut, gut besucht oder eingezäunt war. Und viel Zeit zum Suchen vor Einbruch der Dunkelheit hatten wir auch nicht, da wir erst Mittags losgefahren sind, um vormittags noch auf dem Hof mitzuhelfen.

Letztendlich fanden wir eine steile Treppe, die hinunter zum Strand führte unterhalb eines Aussichtspunktes in der Stadt. Heimlich trugen wir unsere Taschen nacheinander hinunter, versuchten den Moment abzupassen an dem keine Autos oder Spaziergänger vorbei kamen. Da es schon dunkel war, fielen wir dort unten am Strand nicht mehr auf. An diesem Abend konnte ich schlecht schlafen, da ich mir unsicher war bis wohin die Flut kommen würde, da einige Spuren darauf hindeuteten, dass die Flut irgendwann mal bis zur Felswand vor der wir unser Zelt aufbauten gekommen war. Das Meer hörte sich manchmal so nah an, dass ich nachsehen wollte. Aber es stellte sich heraus, dass ich mir unnötig Gedanken gemacht haben. Um am nächsten Morgen nicht gesehen zu werden, bauten wir unser Zelt gleich nach Sonnenaufgang ab. Als wir unser gesamtes Gepäck oben hatten, stellte sich heraus, dassbeide Fahrräder hinten einen platten Reifen hatten. Am Tag vorher dachte „Der Blühende“ noch, dass wir die beiden Fahrradschläuche, die ich unbedingt als Ersatz kaufen wollte, niemals brauchen würden.

So fuhren wir ein kurzes Stück in einen Park mit Spielplatz zum Frühstücken und um in Ruhe die Reifen wieder voll zu bekommen. Wir wechselten meinen Schlauch gleich aus, weil mein Reifen am plattesten war. Beim anderen Rad hofften wir, dass nur Luft fehlte und kein Loch im Schlauch war. Denn der zweite Schlauch den wir mit hatten passte nur auf das Rad des Fahrradanhängers und Flickzeug hatten wir leider keins dabei.

Um 11 Uhr fuhren wir dann los – es ging gleich den Berg hoch. Für mich war es wieder sehr anstrengend, denn ich hatte wie schon erwähnt vor unserer Italienreisen noch überhaupt keine Fahrradtour gemacht und Berge bin ich auch noch nie hoch gefahren. Dementsprechend schlecht war es um meine Kondition bestellt.

Ich fuhr mit „leuchtender Mond´s“ Hilfe immer ein Stückchen und machte dann vollkommen fertig mit wildem Herzschlag eine Pause. Um 13 Uhr war ich dann schon mit meinen Kräften am Ende und wir schafften nicht mal die Hälfte unserer geplanten Strecke. Wir machten eine größere Pause, sodass ich mich richtig ausruhen konnte. Als wir weiter fuhren hielten wir dann schon Ausschau nach einem schönen Schlafplatz und fanden eine schöne Wiese, die zur Straße hin bewachsen war, sodass wir hinter den Büschen nicht gesehen werden konnten. Dort ließen wir dann den Tag gemütlich ausklingen.

Am nächsten Tag brachen wir schon um 8 Uhr auf ohne zu Frühstücken, um schonmal  ein kleines Stückchen weiter zu kommen. Nach eine Stunde machten wir Frühstükspause. Danach stellte sich heraus, dass „Der Blühende´s“ Reifen ebenfalls ein Loch hatte. Wir mussten also irgendwoher Flickzeug bekommen. Nachdem wir ein kleines Stückchen weiter gefahren waren, sahen wir dass der Reifen vom Anhänger ebenfalls platt war, und da bemerkten wir erst, dass der Ersatzschlauch uns nichts brachten, denn wir hatten keine passende Pumpe dabei, weil dieses Rad ein Autoventil hatte.

Dazu kam dann noch, dass es anfing zu Regnen. Zum Glück ging es nun erstmal nicht mehr so stark bergauf, es sah fast gerade aus und ging auch erstmal ein Stückchen bergab. Wir sahen, dass wir trotz allem schon ein gutes Stück geschafft hatten, denn schon an diesem Tag schaffte ich vor meinen Verschnaufspausen schon mehr Strecke. Und uns wurde klar, dass wir wahrscheinlich bis zur nächsten Stadt schieben mussten. Wir waren zuversichtlich es zu schaffen und dann wären wir auch fast wieder in unserem geplanten Zeitraum. Die Straße, die zur Stadt führte war nun eine größere, auch von Lkws befahrene Straße und trotzdem recht eng. Es machte nicht so viel Spaß dort entlang zu schieben. Irgendwann kamen wir an einem kleinen Laden mit Obst und Gemüse vorbei. Die dort arbeitende Frau war sehr freundlich und beschenkte unsere Kinder mit Schokolade. Sie sagte uns, dass die nächste Tankstelle gleich da vorne um die Kurve war- darüber waren wir sehr froh, denn wir hatten nicht mehr damit gerechnet nachdem wir ein paar km vorher eine geschlossene Tankstelle sahen. Dort konnten wir dann den Schlauch vom Anhänger-Rad austauschen und sogar aufpumpen! Da das Loch im Reifen von „der Blühende“ nur ganz klein war und die Luft nicht so schnell heraus ging, pumpten wir sein Fahrrad auf, um bis zur Stadt zu fahren. Lagonegro war eine schöne kleine Stadt. Wir wurden von vielen Menschen gefragt, woher wir kamen und ob sie ein Foto von uns machen könnten. Wir fragten nach einem Fahrradgeschäft und bekamen den Weg von einer sehr freundlichen Frau beschrieben, die jedoch wie die meisten nur italienisch sprach. In diesem Laden fanden wir leider kein Fahrradflickzeug. Dann bekamen wir von der selben Frau einen neuen Tip: Wir solten im China-Laden nach dem Flickzeug gucken. „Der Blühende“ und ich trennten uns, weil der Weg steil hoch ging und die Kinder gerne auf den Spielplatz wollten. Auch einkaufen sollte er auf dem Weg, da wir kaum mehr etwas zu Essen hatten und der nächste Tag ein Sonntag war.

Er kam nach einiger Zeit mit Flickzeug, aber ohne Essen zurück, da der einzige Supermarkt dort schon geschlossen hatte. Wir überlegten, was wir nun machen sollten. Ich dachte darüber nach hier in der Stadt ein Zimmer zu nehmen, aber „Der Blühende“ war von der Idee nicht begeistert. Er sagte wir sollten unsere geplante Tour nach Lago Sirino noch zu Ende führen, da wir dort sicher einen guten Schlafplatz zum Frei Zelten finden würden und wenn wir dort ankämen, könten wir in den dortigen Supermarkt gehen, der dann wieder geöffnet sein würde (in Italien schließt alles zwischen 13:00 und 16.30)

Wir entschieden uns dann für seinen Plan. Wir mussten uns jedoch beeilen um vor Einbruch der Dunkelheit anzukommen (denn sobald es dunkel wird, wird es auch kalt und Fahrrad fahren im Dunkeln auf nicht beleuchteten Straßen macht keinen Spaß ). Es war sehr anstrengend, da es wieder einen Berg hinauf ging und wir waren auch noch mit unseren Kräften am Ende. Als wir ankamen war es grade noch hell – es fühlte sich an als sei die zeit stehen geblieben, damit wir noch im Hellen fahren konnten. Aber sobald wir da waren, wurde es dunkel und die Gegend, die wir ausgesucht hatten, war zum frei und unentdeckt zelten nicht gut geeignet. So fuhren wir ersteinmal zum Supermarkt und kauften genügend ein. Wir entschieden die Straße ein Stück weiter zu fahren und nach einem Schlafplatz Ausschau zu halten. Wir waren nicht weit gekommen, da sahen wir jemanden noch draußen im Garten arbeiten. Wir überlegten endlich mal unseren Mut zusammen zu nehmen und zu fragen, ob wir in seinem Garten zelten durften. Bei Sebastiano hatte ich auch extra ein paar Sätze auf italienisch herausgeschrieben, um nach der Übernachtung im Garten fragen zu können. „Der Blühende“ ging mit dem Zettel zu ihm. Er war sehr freundlich und ließ uns vor seinem Haus im Einfahrtsbereich zelten, denn er hatte keine Wiese. Wir konnten dort auch sehr gut auf Toilette gehen oder uns waschen, denn dort war eine Wohnung, die gerade renoviert wurde und man ließ uns den Schlüssel auf der Haustür stecken.

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